Über SFCJ Regensburg

Die Students for Climate Justice sind ein studentisches Kollektiv von Aktivist*innen, die sich primär mit lokaler, nationaler und globaler Klima- und sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen.

2022/05/07 Offener Brief der Hochschulinitiativen für eine Klimafreundlichere Mensa

Im Rahmen eines Zusammenschlusses verschiedener studentischer Initiativen am Campus Regensburg wenden wir uns in einem offenen Brief an das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz, um in einem konstruktiven Dialog eine klimafreundliche Gestaltung des Mensabetriebs zu erwirken. Im Vorfeld wurde dafür eine umfangreiche Mensaumfrage durchgeführt.

Sehr geehrte Frau Steudte,
in den letzten drei Jahren hat das STWNO in guter Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Nachhaltigkeit und dem AStA nach Wegen in eine nachhaltige Zukunft der Hochschulgastronomie gesucht. Sie haben – zweifellos im Bewusstsein der Notwendigkeit einer Veränderung – Einweglösungen durch Mehrwegbecher, -besteck und -boxen mit Pfandsystem ersetzt, bieten eine Vielzahl veganer, regionaler und biologischer Gerichte an und klären auf Ihrer Website über Nachhaltigkeit auf.
Wir danken dem STWNO für diese Bemühungen und erkennen an, dass es bereits sehr viel im Bereich Nachhaltigkeit unternommen hat.

Jedoch wirken sich all diese Maßnahmen nur gering auf die Treibhausgasemissionen aus und sind daher unzureichend.
Wie Sie wissen, hat die Klimakrise einen Punkt erreicht, an dem eine wirksame und schnelle Reduktion der Treibhausgasemissionen unerlässlich ist. Emissionsintensive Lebensmittel auf dem Speiseplan müssen emissionsarmen (das heißt in der Regel pflanzlichen) Lebensmitteln weichen. Dabei kommt es nicht nur auf die Emissionen als solche an, sondern auch auf die Vorreiter- und Vorbildfunktion: Einzelne Akteure, also auch einzelne Studierendenwerke, müssen Wege aufzeigen, um andere Menschen und Institutionen zur Nachahmung zu bewegen.
Als Orientierung für eine solche Umstellung der Speisepläne können die Berliner Mensen dienen, die sich an der Planetary Health Diet [1] und den Vorgaben des WWF orientiert haben: Fleisch- und Fischgerichte wurden auf jeweils 4 % des Angebots reduziert und es wurde ein vegetarischer Tag eingeführt [2]. Das STWNO sollte daran anknüpfen.

Wir, die unterzeichnenden Initiativen, fordern daher, dass der Speiseplan in Mensen und Cafeterien (auch in den Außenstellen) baldmöglichst entschieden verändert wird, entsprechend der CO2-Bilanz der Gerichte [3]; das bedeutet insbesondere eine drastische Einschränkung von Fleisch-, Fisch- und Käsegerichten.

Besonders Rindfleisch sollte auf ein verschwindend geringes Maß reduziert werden, da das bei der Rinderzucht emittierte Methan nicht nur ein Haupttreiber der Erderwärmung ist, sondern auch vergleichsweise schnell (im Laufe von 12 Jahren [4]) wieder abgebaut wird. Dementsprechend stellt dies eine vergleichsweise schnelle und effektive Klimaschutzmaßnahme dar.

Anteil und Vielfalt pflanzlicher Gerichte müssen erhöht werden, um eine klimafreundliche und zugleich attraktive Ernährungsweise zu ermöglichen. Als konkrete Orientierung kann dienen, dass der Anteil klimaschädlicher Lebensmittel den in der Planetary Health Diet angegebenen Wert nicht übersteigen darf.

Wir sind uns bewusst, dass das STWNO wirtschaftlich handeln muss und solche Maßnahmen aus Ihrer Sicht ein Risiko darstellen. Dazu gehört einerseits die Kostenseite. Jedoch sind pflanzliche oder klimafreundliche Gerichte aus unserer Sicht nicht automatisch kostenintensiver, und die Auswahl und Wirtschaftlichkeit veganer Produkte hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Die – je nach Art der Gerichte – womöglich erhöhten Produktionskosten für klimafreundliche Gerichte ließen sich durch höhere Preise für klimaschädliche Gerichte querfinanzieren, womit zugleich ein Anreiz im Sinne einer CO2-Bepreisung geschaffen würde.

Auf der anderen Seite können wir uns vorstellen, dass Sie eine verminderte Akzeptanz pflanzlicher Alternativen durch Ihre Kund:innen befürchten. Deshalb haben wir in einer (nicht repräsentativen) Umfrage unter Studierenden und Mitarbeitenden unter anderem gefragt, was sie sich von dem Mensaangebot wünschen und wie sie auf ein verändertes Angebot reagieren würden. Insgesamt nahmen an der Umfrage 5635 Menschen teil.

Während nur ca. ein Drittel der Teilnehmer:innen eine vegetarische Lebensweise angab, meinten 76,2 %, dass ein vermindertes Fleischangebot sie nicht vom Besuch der Mensa abhalten würde; mehr noch, für die relative Mehrheit wäre ein vermindertes Fleischangebot sogar ein Grund, häufiger in der Mensa zu essen statt seltener (26,3 % zu 23,8 %).
Darüber hinaus gaben viele Teilnehmende an, dass ein zu geringes vegetarisches und veganes Angebot sie derzeit vom Mensabesuch abhalte; 57,5 % würden häufiger in der Mensa essen, wenn es davon eine größere Auswahl gäbe.
Nach diesen Erkenntnissen scheint die besagte Umstellung des Speiseplans nicht nur machbar, sondern sogar wirtschaftlich geboten. Zudem sind wir gerne bereit, in weiterer Unterstützung des Studierendenwerks über die Veränderungen zu informieren und so mehr Akzeptanz dafür zu schaffen.

Wir würden uns freuen, diese Punkte bei Gelegenheit persönlich mit Ihnen zu besprechen und freuen uns auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Netzwerk Nachhaltigkeit, AStA, Students for Climate Justice, The Regensburg Alt. Protein Project
unterstützt von den Green Offices der Universität und der OTH Regensburg

Quellen:
[1] Vollständige Studie unter https://www.thelancet.com/commissions/eat; Zusammenfassungen etwa unter https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/lagern-kochen-essen-teilen/planetary-health-diet/ oder https://en.wikipedia.org/wiki/Planetary_health_diet
[2] https://www.stw.berlin/mensen/mensa-online/themen/mensa-ernaehrungskonzept.html
[3] Umfassende Statistiken unter https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food
[4] Siehe etwa https://de.wikipedia.org/wiki/Methan#Treibhauspotenzial

Ausschnitte aus den Ergebnissen der durchgeführten Umfrage unter Studierenden und Mitarbeitenden der OTH und Uni Regensburg

  • Würden Sie häufiger in die Mensa gehen, wenn es eine größere Auswahl an vegetarischen/veganen Angeboten gäbe?
Unter den Mitarbeitenden stimmten auf diese Frage 53 % mit “Nein” und insgesamt 47 % mit “Ja” ab. Unter den letzteren würden 16,5 % besonders für vegetarische Gerichte gern häufiger kommen, 8,2 % vor allem für vegane und 22,2 % unabhängig davon, ob vegane oder vegetarische Angebote vermehrt angeboten werden. Unter den Studierenden stimmten auf diese Frage 40,4 % mit “Nein” und insgesamt 59,6 % mit “Ja” ab. Unter den letzteren würden 16,3 % besonders für vegetarische Gerichte gern häufiger kommen, 17,7 % vor allem für vegane und 25,6 % unabhängig davon, ob vegane oder vegetarische Angebote vermehrt angeboten werden.

Über beide Gruppen hinweg stimmten 57,5 % mit “Ja” ab, während 42,5 % nicht häufiger in die Mensa gehen würden, wenn es mehr vegetarische oder vegane Gerichte gäbe.

  • Würden Sie seltener in die Mensa gehen, wenn es kein Fleisch oder weniger Fleischangebot gäbe?
Unter den Mitarbeitenden stimmten auf diese Frage 18,9 % mit “Nein, häufiger” ab, 52,1 % mit “Nein, gleichbleibend” und 29 % mit “Ja”. Unter den letzteren würden 7,5 % gar nicht mehr kommen, wenn es weniger Fleisch gäbe und 5,8 % etwas seltener. Weitere 8,7 % würden nur dann nicht mehr kommen, wenn es kein Fleisch mehr gäbe, 6,9 % nur etwas seltener, wenn auf Fleischgerichte verzichtet würde. Unter den Studierenden stimmten auf diese Frage 27,8 % mit “Nein, häufiger” ab, 49,4 % mit “Nein, gleichbleibend” und 27,8 % mit “Ja”. Unter den letzteren würden 4,5 % gar nicht mehr kommen, wenn es weniger Fleisch gäbe und 4,8 % etwas seltener. Weitere 7,2 % würden nur dann nicht mehr kommen, wenn es kein Fleisch mehr gäbe, 6,3 % nur etwas seltener, wenn auf Fleischgerichte verzichtet würde.

Über beide Gruppen hinweg stimmten 26,3 % aller Teilnehmenden dafür ab, häufiger in die Mensa zu gehen, wenn es kein oder weniger Fleisch gäbe. Insgesamt 76,2 % würden nicht seltener in der Mensa essen. 23,8 % würden demnach seltener in die Mensa gehen.

 

Veröffentlicht unter Briefe

Statement zu verschwörungsideologischem Gedankengut in der Regensburger Klimagerechtigkeitsbewegung

Seit Beginn der Pandemie regt sich ein immer wachsender Widerstand gegen die Coronaauflagen, welcher zum Teil auch berechtigt gewesen sein mag, jedoch seit Beginn mehrheitlich von Rechts, so z.B. von AfD- und PEGIDA-Mitgliedern sowie neuerdings auch dem dritten Weg, gesät, unterwandert und für das propagieren antisemitischer und wissenschaftsleugnender Verschwörungstheorien missbraucht wird.

Nun wurden wir innerhalb der letzten Wochen leider darüber in Kenntnis gesetzt, dass dieser problematische Trend auch vor unserer Szene nicht halt machte und sogar einige ihrer aktiveren Mitglieder mit den von offenen Rechten geführten und besuchten Protesten liebäugeln und sogar teils aktiv an diesen teilnehmen.

Als Klimagerechtigkeitsgruppe und Mitglied der Initiative gegen Rechts setzen wir uns schon seit Beginn der Pandemie gegen diese Akteur*innen ein, die alle paar Monate unter einem anderen Namen auftreten. Deshalb, und aufgrund der antifaschistischen Ausrichtung unserer Gruppe, welcher auch durch den Klimagerechtigkeitsbegriff festgelegt ist, wollen wir uns nochmals klar von ihnen distanzieren.

Desweiteren erscheint es uns geradezu abstrus eben jene Menschen, die sich sonst mit uns „auf der Seite der Wissenschaft“ gegen die Klimakatastrophe engagieren, plötzlich Schulter an Schulter mit Wissenschaftsleugner*innen und Rechtsextremen auf der Straße zu sehen.

Aus diesen Gründen verurteilen wir das Handeln dieser Personen aufs schärfste und wollen alle der betroffenen Gruppen zu einer klaren Distanzierung von dieser Bewegung, einem sofortigen Ende der Duldung ihres Gedankengutes sowie einem schnellstmöglichen Ausschluss der betroffenen Aktivist*innen auffordern.

Wer mit Rechten marschiert hat nichts kapiert!

-SFCJ Regensburg

Mitzeichner*innen:

AR Regensburg, ATK Regensbur

Eure Initiative möchte das Statement auch mitzeichnen? Wir freuen uns über jeden Support, wendet euch gerne via SFCJRegensburg [at] privacyrequired.com an uns!

IGR-Stellungnahme: KEINEN METER FÜR Verschwörungsideologien, Pandemie-Verharmlosung und Rechts

Das nachfolgende Statement haben wir heute zusammen mit anderen Mitgliedsgruppen der Initiative gegen Rechts im Rahmen einer Demonstration verlesen und anschließend veröffentlicht. Den Originaltext sowie eine Auflistung sämtlicher unterstützender Gruppen findet ihr auf der Website der IGR.

An alle Menschen in Regensburg,

wir müssen reden: über Verschwörungsideologien, über die extreme Rechte, über die Pandemie-Verharmlosung und die Gefahren, die davon ausgehen. Auch wenn wir nach fast zwei Jahren alle müde von der Pandemie sind, ist das notwendiger denn je.

Schon im Frühjahr 2020 haben wir als Initiative gegen Rechts gewarnt (1): Vor Verschwörungserzählungen, vor Nationalismus, Sozialdarwinismus und der permanenten Relativierung des Nationalsozialismus. Wir thematisierten auch das Radikalisierungspotential, das die Proteste gegen eine angebliche „Corona-Diktatur“ birgt.

An unserer inhaltlichen Kritik hat sich nichts geändert. Noch immer sind wir überzeugt: Man kann kritisch oder unzufrieden mit den Maßnahmen sein, ohne aber Verschwörungserzählungen anzuhängen und mit Rechten auf die Straße zu gehen.

Die Entwicklung, die diese Corona-Protestbewegung aktuell nimmt, betrachten wir mit steigender Sorge. Seit Dezember verzeichnen die Versammlungen massiven Zulauf, jeden Montag laufen Hunderte unangemeldet durch die Altstadt und scheinen kein Problem damit zu haben, neben Q-Anon-Gläubigen, AfD-Politiker:innen und Virus-Leugner:innen zu „spazieren“.

Die Stimmung bei diesen „Montagsspaziergängen“ wird immer aggressiver: Passant:innen, die Maske tragen oder ihren Unmut ausdrücken, werden verbal oder körperlich attackiert. „Ein Radfahrer, der sich über die Spaziergänger am Telefon aufgeregt und sie als Nazis bezeichnet hat, wurde dermaßen angeschrien und geschubst, dass ich dazwischengehen musste. Die Polizei hat sich für den Vorfall nicht interessiert“, erinnert sich ein Mitglied unseres Bündnisses.

Auch Gegendemonstrant:innen sehen sich in Gefahr: „Wir wurden ohne Maske und Abstand bedrängt, was allein schon von der hohen Ignoranz der Spaziergänger zeugt. Wir werden angefasst, angeschrien und mit Fäusten bedroht, oder es wird versucht, unsere Plakate wegzureißen.“

Die Feindbilder der vermeintlichen Spaziergänger:innen sind klar: Besonders vor Corona-Testzentren rufen die Teilnehmenden Parolen gegen die „Diktatur“. Auch Journalist:innen werden mitunter physisch bedroht (2). Immer wieder gehen gewalttätige Auseinandersetzungen von den Teilnehmenden aus, die teilweise spontan, teilweise kalkuliert wirken. (3)

Diese aggressive Stimmung kommt nicht von ungefähr. An den Versammlungen sind Rechte beteiligt, die ihren Hass auf alle, die nicht in ihr Weltbild passen, mit in die Menge tragen. Hatte es AfD in Regensburg jahrelang schwer, in der Stadt breiter Fuß zu fassen, kann sie nun erstmals wie selbstverständlich mitmarschieren. (4) Sogar Neonazis der Partei Der III. Weg konnten sich dem Marsch schon problemlos anschließen. (5)

Gezielt vernetzen sich auf den Veranstaltungen auch sogenannte Querdenker:innen. Ihnen geht es bei Weitem nicht nur um Corona- Maßnahmen oder eine „freie Impfentscheidung“, wie sie selbst titeln. Sie leben mittlerweile in einer Parallelwelt mit alternativen Medien und Telegram- Gruppen, in denen eine Schreckensnachricht auf die nächste folgt. Ihr Hass richtet sich gegen ‚das System‘, das angeblich Corona nutzen würde, um eine ‚Diktatur‘ zu errichten.

Ernten die Demonstrant:innen Widerspruch, sehen sie darin nur eine Bestätigung der Verschwörung: „Jedes Mal wurden wir als ‚inszenierter Gegenprotest‘ oder ‚die bezahlten Antifanten‘ bezeichnet. Der Verschwörungsglauben bezieht sich also auch auf uns“, resumiert ein Bündnismitglied.

Solchen gefährlichen Ideologien mit Verständnis zu begegnen, halten wir für den falschen Weg. Wir warnen davor, die montäglichen Demonstrationen als besorgte „Spaziergänger:innen“ zu verharmlosen und ihre Kritiker:innen zu „Maßnahmenbefürworter:innen“ zu erklären.

Wir appellieren weiter an alle Menschen in Regensburg: Fallt nicht auf ihre Strategien herein, mit der gezielt auch nicht-rechte Personen angesprochen werden sollen! Lasst euch nicht täuschen, bleibt kritisch und klärt andere über die Problematik auf. Mit oder ohne Corona gilt: Haltet Abstand von rechten Ideologien und Verschwörungsmythen. Wer mit Rechten spaziert, hat nix kapiert!


(1) https://initiativegegenrechts.net/2020/05/06/warnung-verschwoerungstheorien-greifen-auch-in-regensburg-um-sich/https://initiativegegenrechts.net/2020/06/01/aktualisierter-flyer-warnung-verschwoerungsideologien-greifen-in-regensburg-um-sich/

(2) Mittelbayerische Zeitung vom 03.01.2022: Wer als Journalist nach einer Meinung fragte, erhielt meist Ablehnung und vereinzelt aggressive Anfeindung, wie den Versuch zweier vermummter „Spaziergänger“, die Fotokamera zu ergreifen. „Ohne die Presse wäre die Obrigkeit bald erledigt“, sagte eine Demonstrantin. „Scheiß Systempresse“, eine andere.abrufbar unter: https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/was-die-spaziergaenger-wollen-21179-art2076908.html

Regensburg-digital vom 20.12.21: Wer, wie unsere Redaktion, kritisch berichtet und Hintergründe der Protestbewegung aufzeigt, der wird als „Lügenpresse“, „Systemlinge“ und „Söders Hofschreiberling“ identifiziert. Das legitimierte manche in den vergangenen Monaten offenbar auch, einem ins Gesicht zu husten und körperlich zu drohen. Am Sonntag bleibt es weitgehend friedlich. Nur einmal wird unserem Fotografen ohne ersichtlichen Grund aus kurzer Distanz ins Ohr geschrien. Nach Beendigung der Versammlung droht ein junger Teilnehmer zudem damit: „Ich merke mir dein Gesicht und dann mach ich dich platt.abrufbar unter: https://www.regensburg-digital.de/2-400-menschen-bei-corona-protest-auf-dem-domplatz/20122021/

(3) Antifaschistische Gruppe anita f. vom 03.01.22Um 18 Uhr fanden sich am alten Rathaus/ Kohlenmarkt über 800 Personen ein. Nur eine Handvoll der Teilnehmenden trug dabei eine Maske, zudem wurde kein Mindestabstand eingehalten. Vereinzelt wurden Passant:innen mit Maske, die sich durch die Menge drängten, bepöbelt. (…)Eine Gruppe von sehr jungen Teilnehmenden trat voll vermummt auf, eine Person trug (bei Demonstrationen verbotene) Quarzsandhandschuhe, ein Teilnehmer hatte einen sogenannten „Selbstverteidigungsschirm“ bei sich.abrufbar unter: https://anitaf.net/2022/01/05/03-01-2022-altstadt-verschwoerungsideologisches-spektrum/

(4) Antifaschistische Gruppe anita f. vom 10.01.22Die Regensburger AfD marschierte im Demozug wie selbstverständlich mit. Aus Regensburg waren vor Ort: Kreisrat Michael Ofen, Stadtrat Thomas Straub sowie Peter Timmel, Nikolai Sitschow, Thomas Braun, Dieter Arnold, Norbert Jörss und Klaus Piater.abrufbar unter: https://anitaf.net/2022/01/14/08-01-2022-altstadt-verschwoerungsideologisches-spektrum/

Der AfD KV Regensburg ruft regelmäßig zu den Veranstaltungen auf.Facebook-Post vom 26.12.21 https://www.facebook.com/afdregensburg/photos/a.1692800120989445/3046535975615846 und vom 02.01.22 https://www.facebook.com/afdregensburg/photos/a.1692800120989445/3051560345113409vom 09.01.22https://www.facebook.com/afdregensburg/photos/a.1692800120989445/3056650241271086/

(5) Regensburger Zeitung vom 10.01.22:Wie zuletzt mehrfach in Neumarkt und Schwandorf, mischen sich junge Neonazis seit kurzem auch in Regensburg immer häufiger unter die Demonstrationen.

Regensburg-digital vom 10.01.22:Schließlich kommt es zu den beschriebenen Szenen am Fischmarkt. „Widerstand“ brüllt dort auch ein junger Mann mit dem geröteten Kopf. Dann wendet er sich seinen Begleitern zu. Einer von ihnen hat einen Schlauchschal über die Nase und die Mütze ins Gesicht gezogen. Auf deren Krempe sind drei markante Striche von einem Lorbeerkranz umgeben zu sehen. Es ist das Symbol des III. Wegs.abrufbar unter: https://www.regensburg-digital.de/steigender-zulauf-bei-coronaprotesten/10012022/

Solidarität mit „Defend Lützerath“ und der ZAD Rheinland

Wie einige von euch vermutlich schon mitbekommen haben wurde im Rheinland um das Dorf Lützerath die „ZAD Rheinland“ ausgerufen, weshalb wir euch hier einen kurzen Überblick über die Situation verschaffen wollen:

Was ist Lützerath?

Bei Lützerath handelt es sich um eines der Dörfer welche von RWE für die Erweiterung des Tagebaus „Garzweiler“ abgerissen werden sollen. Dabei sticht dieses jedoch hervor, da es aufgrund eines Rechtsstreits mit einem dort noch lebenden Bauern, Eckardt Heukamp, bisher nicht komplett dem Erdboden gleich gemacht werden konnte.

Die Klimagerechtigkeitsbewegung zeigt sich schon länger mit ihm solidarisch, veranstaltet Aktionen an der Kante des Tagebaus und wurde von diesem auch unterstützt, allerdings droht ihm Ende des Monats nun auch endgültig die Räumung.

Aus diesem Grund wurde nun von unseren Mitaktivisti in der Region die „ZAD Rheinland“ ausgerufen.

Was ist eine „ZAD“?

ZAD steht für „Zone À Défendre“, also ein Gebiet, das es zu verteidigen gilt. Angelehnt ist diese Bezeichnung an eine Besetzung in Frankreich, die „ZAD de Notre-Dame-des-Landes“, mit der ein weitläufiges Gebiet über Jahre gegen den Einfluss des französischen Staates geschützt und als Freiraum für alternative Lebenskonzepte genutzt wurde.

Besetzt wurde es damals ursprünglich aufgrund von Plänen für den Bau eines Flughafens, allerdings entwickelte sich das Projekt schnell zu etwas größerem, einem Ort der Selbstentfaltung – fernab der Gehorsams- und Leistungszwänge des Staates.

Nach dem Erfolg dieser ZAD wurden europaweit mehrere weitere ZADs, wie die diesen Sommer geräumte „ZAD de la colline“ und nun die ZAD Rheinland ausgerufen.

Warum wurde die „ZAD Rheinland“ ausgerufen?

Die Ausrufung dieser ZAD soll deutlich machen, dass uns als Klimagerechtigkeitsbewegung nicht nur um den Protest gegen die Kohleförderung, sondern auch darum ein Zeichen gegen den wahnhaften kapitalistischen Wachstumsdrang zu setzen geht, denn während wir uns in einer Zeit der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit befinden werden im Rheinland hunderte Menschen aus ihren Häusern, in denen ihre Familien teils seit Generationen lebten vertrieben.

Und wofür das alles? Nur um die Klimakatastrophe nochmals für die Kapitalinteressen einer handvoll Menschen weiterhin anheizen zu können!

Was nun?

Schon die Bundestagswahl hat entgegen teils großer Hoffnungen (auch in unseren Reihen) gezeigt, dass wir so nicht weitermachen können und einen Kurswechsel höchstens erreichen wenn wir ihn selbst in die Hand nehmen. Aus diesem Grund wollen wir von SFCJ Regensburg uns klar mit unseren Mitaktivisti im Rheinland solidarisieren und euch auffordern: begebt euch in Aktion und unterstützt die Menschen vor Ort.

Fahrt ins Rheinland, leistet zivilen Ungehorsam und lasst uns zeigen, dass wir genug vom aktuellen – und auch wohl kommenden – Kurs der Regierung haben indem wir den Kohleausstieg selbst in die Hand nehmen und den Klimakampf von der Straße an die Kante bringen!

Die nächsten wichtigen Termine sind:

  • bis 06.10. Anti-Rodungs-Skillshare „Alle Bäume bleiben“
  • 10.10. Dorfspaziergang
  • 29.10.-05.11. Anti-Abriss-Skillshare und Unräumbar-Festival mit Protestcamp
  • 01.11. voraussichtlicher Räumungsbeginn

Folgt für mehr Infos gerne unseren Kanälen sowie „Alle Dörfer bleiben“ und „Ende Gelände“ – lasst es uns RWE nicht einfach machen!

Fahrraddemo zum dezentralen „Öffis sind Klasse“ ÖPNV-Aktionstag

Im Rahmen des dezentralen „Öffis sind Klasse“ ÖPNV-Aktionswochenendes, das auch von Aktionen in u.a. Köln, Bonn, Stuttgart, München, Karlsruhe und Augsburg begleitet wurde, haben wir am Sonntag eine Fahrraddemo unter dem Motto “Freie Fahrt für Bus & Bahn” veranstaltet. Für die Aktion wählten wir eine Strecke in Form eines Bogens um die Altstadt, auf der wir mit unserem Fahrradkorso getreu dem Motto der Veranstaltung die allgemeinen Fahrbahnen nutzten während wir die Busspuren freihielten und mit Reden am Bismarckplatz, Donaumarkt und bei den Arcaden die Rolle der Mobilität, des ÖPNV und der Autolobby in unserer Gesellschaft aus einer Klima- und sozialen Perspektive thematisierten.

Unsere zentralen Forderungen bestanden dabei in einem langfristig kostenlosen ÖPNV, dem Stopp der Privatisierungen und dem Ausbau der Netze. Durch die momentan teils sehr hohen Preise – 302€ für das komplette RVV-Monatsticket im Normaltarif, ein Betrag für die meisten in einer Liga mit ihrer Miete – wird Mobilität nicht einfach nur unattraktiver, sondern vor allem unzugänglich für einkommensschwächere Menschen, was gerade in unserer Gesellschaft, in der 39% der Menschen (oft aus finanziellen Gründen) zur Arbeit pendeln müssen, aus sozialer Sicht eine massive Ungerechtigkeit darstellt. Dazu kommt noch, dass diese sowieso schon unzulängliche Situation den Personenverkehr auf für die Umwelt deutlich schädlichere PKWs umlagert und so das überholte, von Kapitalinteressen geprägte Konzept des motorisierten Individualverkehrs weiterhin künstlich am Leben hält.

Aber nicht nur die Ticketpreise und die vielerorts mangelhafte Infrastruktur, auch die Arbeitsbedingungen im ÖPNV sind mehr als nur kritikwürdig. Die Lage der Angestellt:innen ist dort trotz der Fahrpreiserhöhungen und stetigen Kosteneinsparungen – oder gerade aufgrund letzteren – so schlecht, dass tausende Stellen unbesetzt sind und die Beschäftigten mit zu niedrigen Löhnen, kurzen Pausen und unplanbaren Arbeitszeiten zu kämpfen haben, während parallel immer mehr Infrastruktur privatisiert und Regionalbahnhöfe sowie tausende Kilometer an Gleisen stillgelegt werden. Und all das passiert, während die Automobilindustrie eine Milliardenspritze nach der anderen bekommt und sämtliche überregionalen Schritte in Richtung der dringend benötigten Verkehrswende nicht nur unter der Tatenlosigkeit der Politik einschlafen, sondern auch im Schatten jahrzehntelanger Propaganda der Autolobby reaktionär angeheizten Gegenwind erfahren.

Damit kommen wir zur Internationalen Automobilausstellung, kurz IAA, die im September in München stattfinden wird und auch den Auslöser dieser dezentralen Aktionstage stellt. Allein dass es 2021 anscheinend noch einer solchen Veranstaltung Bedarf, stellt eine Schande dar: Die Automobilindustrie hat über die letzten Jahrzehnte mehr als oft genug bewiesen, dass ihr Umwelt und Klimawandel egal sind, und mit Enthüllungen wie dem Abgasskandal klar demonstriert, dass sie Verbraucher*innen lieber bis zum Schluss belügen als Verantwortung zu übernehmen.
Dieselbe Tendenz zeigt sich auch diesmal. Denn anstatt alternative, tatsächlich zukunftsorientierte Mobilitätskonzepte zu behandeln, klammert man sich mit der Messe an das in Ballungszentren längst überholte Konzept des motorisierten Individualverkehrs. Nebenbei wird dann mit Greenwashing-Kampagnen versucht, enorme potenzielle Gewinneinbußen nach Jahren fehlender progressiver Innovation abzuwenden. Als Heilsbringer werden stattdessen E-Autos angepriesen, welche in ihrer Herstellung aufgrund der benötigten seltenen Erden und anderen zur Profitmaximierung oftmals auf umweltschädliche und menschenunwürdige Weise geförderten Ressourcen ebenfalls eine große Belastung für Umwelt und Klima darstellen.
Eine Industrie, die systematischen Betrug und Ausbeutung an Mensch und Natur betreibt, dabei ihre Kapitalinteressen über das Gemeinwohl stellt und ihre Machtposition immer wieder aufs Neue rücksichtslos ausnutzt wird sicher nicht die unbedingt erforderliche Mobilitätswende einleiten, deshalb können und dürfen wir ihr diese auch nicht anvertrauen.

Denn eins ist sicher: Wir brauchen eine Verkehrswende – radikal, solidarisch und allen voran: JETZT.

2021/06/26 – Statement zum Urteil gegen „Ella“

Schon zum Tag der politischen Gefangenen erzählten wir euch die Geschichte von „Ella“ (auch bekannt als UP1), einer der Aktivist:innen der sogenannten „Danni 11“, welche bereits seit November letzten Jahres in Untersuchungshaft festgehalten wird.

Am Mittwoch wurde nun das Urteil für ihren Fall verkündet – eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren!

Dabei wurde ihr angebliche Gewalt gegenüber Vollzugsbeamten während der Räumung des Dannenröder Forsts vorgeworfen – eine Anschuldigung die nicht etwa auf handfesten Beweisen, sondern lediglich auf den Zeugenaussagen vermummter, anonymer Polizisten beruht während das Gericht sämtliche Beweisanträge der Verteidigung wie ihnen wiedersprechende Zeug:innenaussagen nicht zuließ und ein Beweisvideo, auf dem kein gefährlicher Tritt oder ähnliches zu sehen war einfach als „unbrauchbar“ erklärte.

Desweiteren wurde dem Dannenröder Forst während des Prozesses trotz durchgängiger, angemeldeter politischer Versammlungen und Mahnwachen vor Ort, der Status einer politischen Versammlung verwährt (welcher vor wenigen Tagen erst u.a. dem „Moni“ (Besetzung des Seehausener Forsts) zugesprochen wurde), wodurch Ellas Prozess nicht als ein politischer anerkannt und unter dem Waldgesetz geführt wurde.

Für uns ist klar, dass mit diesem Urteil ein Exempel statuiert werden sollte, weshalb wir hiermit ein weiteres mal laut und klar unsere Solidarität mit Ella und allen anderen unserer von staatlicher Repression betroffenen Mitaktivist:innen kundtun wollen, denn eins ist klar: dieses Urteil geht uns alle etwas an.

Ella ist nämlich leider auch kein Einzelfall: Mit den letzten Monaten häuften sich die Fälle staatlicher Repressionsversuche gegenüber Klimagerechtigkeitsaktivist:innen regelrecht, ohne dass ein Ende in Sicht zu sein scheint. Hier in Bayern steht zum Beispiel schon am kommenden Montag die Hauptverhandlung von „Frettchen“ – welches aktuell auf Grund einer angeblichen Beleidigung in Isolationshaft sitzt – aus der Besetzung des Forst Kasten an.

Vorgehen wie diese sind in Zeiten einer immer mehr an Fahrt gewinnenden Klimakrise schlichtweg nicht zu rechtfertigen und wirken gerade auch in einem Kontext wie der Räumung des Dannenröder Forsts, während der es durchgehend zu Fällen von Polizeigewalt kam, die mehrere Aktivist:innen schwerverletzt ins Krankenhaus beförderten, einfach nur wie ein schlechter Scherz.

Freiheit für alle politischen Gefangenen – denn am Ende sind wir alle Ella.

2021/06/03 – Tag des Fahrrads & dezentraler Aktionstag gegen Autobahnen (Nachhaltigkeitswoche)

Zum Tag des Fahrrads haben wir heute im Rahmen der Regensburger Nachhaltigkeitswoche eine Fahrraddemo veranstaltet.

Unsere Route verlief dabei vom Campus aus mit einem Bogen über den Hauptbahnhof und anschließend wieder über die Kumpfmühler Brücke zurück, wodurch wir einige der für Studierende relevantesten Straßenabschnitte abdecken konnten.

Während der Veranstaltung haben wir in Form verschiedener Reden und eines Gedichts unsere Kritik an der aktuellen Infrastruktur und Individualverkehrszentrischen Verkehrsplanung geäußert und einige Verbesserungsvorschläge (u.a. die Umwandlung von Kreuzungen zu „Verkehrsbegehungszonen“, die Einrichtung von Fahrradparkhäusern und überdachten Fahrradparkplätzen im Campus- und Bahnhofsgebiet sowie der Rückbau von Parkplätzen und Fahrspuren zugunsten von Fahrradwegen und -parkplätzen) vorgebracht.

Desweiteren sahen wir diese Aktion allerdings auch als unseren Beitrag zum „dezentralen Aktionstag gegen Autobahnen“ am Sonntag an, und thematisierten diesen in Form einer Rede und Solidaritätsbekundung.

Im Rahmen dieses Tages werden über die Woche verteilt deutschlandweit Aktionen von einer Vielzahl an Bündnissen und Initiativen der Klimagerechtigkeitsbewegung stattfinden – denn weitere Autobahnen zu bauen bedeutet Investitionen in überholte Mobilitätskonzepte.

Unser Ziel damit war es, auf die Problematik der an PKWs orientierten Städte- und allgemeinen Verkehrsplanung hinzuweisen.

Für uns steht nämlich fest: wir benötigen dringendst eine klimagerechte, solidarisch gestaltete Verkehrswende die am Menschen anstelle der Kapitalinteressen einiger weniger orientiert ist, denn eins ist klar: Für eine dem pariser Klimaabkommen konformen Zukunft darf der motorisierte Individualverkehr nicht im Mittelpunkt stehen, sondern muss dringendst radikal reduziert und längerfristig ersetzt werden.

2020/12/04 – Solidaritätskundgebung zur Räumung des Dannenröder Forsts

Um unsere Solidarität mit unseren Mitaktivisti auch in den finalen Tagen der Besetzung des Dannenröder Forsts zu bekunden und nochmals eine klare Position gegen die trotz breit geäußerter Kritik unverändert unverhältnismäßig andauernde Polizeigewalt zu beziehen haben wir am Freitag, dem 4.12.2020, erneut eine Mahnwache in Regensburg abgehalten. Auf dem Neupfarrplatz gab es diesmal neben dem Waldbesetzungs-Tripod auch Reden, unter anderem von einem Aktivisten aus dem Wald. Zum Ende der Besetzung wollten wir so nochmals die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Vorgänge der letzten vier Wochen ziehen.

Denn in dieser Zeit kam es mehrfach zu Abstürzen infolge durchtrennter Sicherungsseile, zu Knüppel- und Pfeffersprayeinsätzen gegen friedliche Aktivist*innen und, wie auch heute bei einer auf Video festgehaltenen Kranbesetzung, zu willkürlichem Gewalteinsatz gegen wehrlose Personen, was leider auch generell die gesamte Spanne der Waldbesetzung begleitete. Diese Gleichgültigkeit für das körperliche Wohl unserer Mitaktivist*innen, mit der die Räumung aktuell fortgeführt wird in der Hoffnung, die Rodungsarbeiten noch rechtzeitig beenden zu können, halten wir für höchst unverantwortlich und verstörend. Dass dies teilweise unter dem Deckmantel der Sicherheit geschieht, für offenkundig heuchlerisch und nur umso bezeichnender.

Unsere Enttäuschung in dieser Misere gilt dabei besonders der hessischen Landesfraktion der Grünen, die nun schon seit sechs Jahren ein solch sinnfreies und von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehntes Bauvorhaben mitträgt und damit nicht nur Studien zur Ineffektivität des Projekts ignoriert, sondern auch entgegen jedwedem von der Klimakrise ausgehenden Veränderungsdruck handelt. Anstatt noch offene Möglichkeiten zum Stopp des Ausbaus zu nutzen, wird eine Hilflosigkeit der Situation vermittelt und in der Folge auf dem längst überholten Kurs einer Förderung des Individualverkehrs beharrt.

Wir halten es für mehr als nur bedauernswert, dass sich auch in diesem Fall abermals das Kapitalinteresse über den Umweltschutz hinwegsetzen zu können scheint, aber haben aus dem Kampf um den Dannenröder Forst und dem Verhalten der Politik darauf einiges gelernt – nicht zuletzt die Notwendigkeit, entschlosseneren Aktivismus zu betreiben und diesen auch in Zeiten der gesellschaftlichen Überschattung aufrechtzuerhalten. Der Kampf um Klimagerechtigkeit und eine soziale Verkehrswende ist in unserer Zeit so wichtig wie noch nie. Selbst wenn wir in diesem Fall einen Rückschlag erleiden müssen, bedeutet das keine Niederlage. Mit dem Kampf um den Dannenröder Forst hat sich vielmehr das bundesweite Netz aus Verkehrswende- und Klimaaktivist*innen verdichtet, welches ihren Überzeugungen nun auf andere Weise Raum geben wird.

2020/11/27 – #Blockfriday

Am Freitag, dem 27.11., haben wir im Donau Einkaufszentrum, zusammen mit C4F Regensburg, gegen den Konjunktur- und Handelsfeiertag “Black Friday” protestiert und über die Illusionen und negativen Folgen dieser von den USA mittlerweile auch zu uns übergeschwappten Verkaufspraxis informiert.

In etwa 40% der Fälle zahlen die Kunden trotz hoher Rabattzahlen bei ihren vermeintlichen Schnäppchen gegenüber der Konkurrenz nämlich drauf. Immer öfter werden irreführende Taktiken angewendet um größere Preisreduzierungen vorzutäuschen, so z.B. durch die vergleichende Angabe des bewusst höher angesetzten vom Hersteller zur Markteinführung empfohlenen Preises, kurz UVP. Auchn werden an manchen Stellen Produkte mit funktionellen Limitierungen oder minderer Qualität als Sonderanfertigungen für den Black Friday vermarktet, um zusätzlich Profit schlagen zu können.

Mit Taktiken wie diesen werden nicht nur Verbraucher in die Irre geführt und dazu motiviert Anschaffungen zu tätigen, die sie sonst nicht machen würden, der gesteigerte Konsum wirkt sich dadurch auch unnötig zuspitzend auf den sowieso schon nicht nachhaltigen Ressourcenverbrauch aus. Die Folge solchen Kapitalinteresses ist sowohl eine Reproduktion von menschenunwürdigen Praktiken in der Herstellung dieser Artikel, als auch die nicht minder unethischen Methoden zur Entsorgung des dabei entstehenden Mülls, welcher viel zu oft ohne Rücksicht auf Umwelt und Mensch in Entwicklungsländer mit aufgrund kolonialer Strukturen weit schlechter darauf vorbereiteter Infrastruktur verschifft wird. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass gerade diese Regionen unverhältnismäßig stark vom Klimawandel betroffen sind und weiterhin sein werden,

Diese Verschränkung von Klimakrise, neokolonialen Wirtschaftsstrukturen und den destruktiven Konsumgewohnheiten unserer Gesellschaft zieht uns in die Verantwortung, unsere derzeitige Art der Wertschöpfung infrage zu stellen und ganz nach dem Slogan unseres Hashtags #SystemChangeNotClimateChange eine klimagerechtere Alternative zu entwickeln.

 

2020/11/21 – Solidaritätsmahnwache zu den Vorgängen im Dannenröder Forst

Um unsere Solidarität mit unseren Mitaktivisti im Dannenröder Forst zu bekunden und eine klare Position zu beziehen gegen das unnötig hohe Maß an Polizeigewalt, welches wir dort in den letzten Tage sehen mussten, haben wir am Samstag, den 21.11.2020, eine Mahnwache mit einem Tripod (wie er auch bei Waldbesetzungen zum Einsatz kommt) abgehalten. Unsere Absicht war es dabei auch, die Unterrepräsentation der Situation in den Medien zu durchbrechen und Menschen für die aktuellen Vorgänge im Danni zu sensibilisieren.

Denn nur Stunden vor Aufbaubeginn auf dem Haidplatz kam es nun schon zum vierten Mal zum Absturz einer Person aus etwa fünf Metern Höhe, nachdem ein Sicherungsseil von Einsatzkräften durchtrennt worden ist. Diese Gleichgültigkeit für die Unversehrtheit unserer Mitaktivist*innen, mit der die Räumung des Waldes fortgeführt wird in der Hoffnung, die Rodungsarbeiten noch rechtzeitig beenden zu können, ist unverantwortlich und höchst verstörend. Dass dies teilweise unter dem Deckmantel der Sicherheit geschieht, offenkundig heuchlerisch und umso bezeichnender.

Wie soll man, im Angesicht des gewaltsamen Festhaltens an einem zerstörerischen Bauprojekt entgegen Bedenken der Bevölkerung, Studien zu dessen Sinnlosigkeit und nicht zuletzt der drängenden Not zum Systemwandel, weiterhin Vertrauen in die Gesetzgeber zur gerechten Bewältigung der Klimakrise und all den von ihr ausgehenden sozialen Folgen haben? Gegenüber Politiker*innen einer bestimmten Fraktion der hessischen Landesregierung käme eine solche Erwartungshaltung zwar bestenfalls realitätsferner Naivität gleich, von einer Partei, die sich Klima- und Umweltschutz als alleiniges Existenzrecht zuschreibt, fordern wir jedoch mehr als tatenloses Zusehen!